ZetaTalk: Bedingungslose Liebe
Juli 1995


Menschen betrachten Liebe aus vielen Winkeln, als etwas, nach dem sie begehren oder wünschen zu besitzen, als etwas, das sie für den Komfort oder das Überleben benötigen oder brauchen, und am allerwenigsten als Sorge für einen anderen. Während in der Theorie das Letztere als das verstanden wird, was mit dem Konzept des Liebens den anderen gemeint ist, passen die ersten beiden Motive am häufigsten ins Bild. Warum ist das so? Warum würden Menschen ein Ding sagen, wenn das Gegenteil der Fall ist? Warum nicht einfach sagen, ich begehre X, anstatt ich liebe X. Warum nicht sagen, ich brauche X, anstatt ich liebe X? Wir rutschen weg von der Wahrheit, und strahlen das warme Glühen der Konzepte aus, die von dem Wort Liebe überall erzeugt werden.

Der Grund, warum die Wahrheit in dieser Sache leidet, liegt an dem Wunsch, das Selbst für das Versagen zu entschuldigen. In unseren Herzen streben wir wahre Liebe an, für den anderen genauso viel zu sorgen wie für uns selber, und dies ist unsere verkündete und innere Absicht. Wenn wir das Ziel verfehlen, und die Gefühle sind eher selbstdienend, hoffen wir, kein anderer merkt es. Warum haben wir dann Probleme mit dem Konzept der bedingungslosen Liebe? Weil wir schon Probleme haben, zu praktizieren, was wir predigen, befürchten wir, die Erwartungen in ein höheres Gefilde hinein erhöht zu haben. Heißt das, Selbstsorge sollte eliminiert werden? Sollen wir uns nur auf den anderen konzentrieren? Sollen wir keinen Ärger fühlen, wenn der andere uns enttäuscht, oder vielleicht sogar brutal behandelt? Da wir das Ziel schon so oft verfehlen, wie sollen wir höhere Standards einbauen? Die praktische Anwendung dieser Ideale wankt. Wir fühlen uns ein bisschen verloren.

Diese Verwirrung liegt nicht an unserer Mühe, ein Ideal zu erreichen, aber an dem Verständnis des Ideals selbst. Bedingungslose Liebe heißt nicht, den anderen ungeachtet seines Verhaltens zu lieben. Es heißt nicht, jedes Verhalten des anderen zu akzeptieren, ohne das Selbst zu verteidigen oder, wie ihr sagt, Stunk zu machen. Es heißt nicht, weg zu gucken, wenn Wettstreit um eine Resource, die das Selbst auch begehrt oder braucht, das Selbst in einen Nachteil stellt. Bedingungslose Liebe, in anderen Worten, bedeutet nicht, aufzuhören, zu verlangen und dem aggressiv nachzugehen, was das Selbst will und braucht. Bedingungslose Liebe bedeutet einfach, dass ihr nicht den anderen aufgebt, weil es einen Wettstreit oder eine Meinungsverschiedenheit gibt. Wir werden das mit ein paar Beispielen erklären.

Bedingte Liebe: Eine Mutter liebt ihre Kinder, und dies aus vielen Gründen. Sie sind eine Erweiterung von ihr selbst, und ihre Leistungen fallen zurück auf ihre Erziehung und Gene. Sie versprechen aufzuwachsen und im Alter für sie zu sorgen. Sie helfen bei den Haushaltsarbeiten, und auf sie kann man sich in Notfällen verlassen. Sie bereichern ihr Leben, bringen Freunde, Neuigkeiten und Witze und immer das Unerwartete ins Haus. Das Leben ist nicht öde. Die Mutter, die ihre Kinder ernährt und kleidet, wird automatisch als eine liebende Mutter betrachtet. Was passiert, wenn das Kind sich weigert, in eine von diesen Erwartungen zu passen? Vielleicht ist eines der Kinder ungemein unabhängig, und verwehrt Begleitung der Mutter, wenn sie dies begehrt. Das Kind hat seine Gründe, aber die Mutter sieht dies nur als Ablehnung. Sie fühlt viel Ärger, und findet sich abgeneigt, die früher für das Kind getanen besonderen Dinge zu tun. Sie hat aufgehört, dies Kind zu lieben, da das Erfüllen ihrer Erwartungen ihre Liebe bedingt.

Bedingungslose Liebe: In dieser selben Situation, wo die Mutter eines ihrer Kinder als eine Enttäuschung vorfindet, hört die Mutter nicht auf, die Bedürfnisse des Kindes zu erfüllen, wie früher. Dies heißt nicht, dass sie keine Enttäuschung fühlt, oder sogar ihre Beschwerden vor dem Kind oder anderen äußert. Aber dies heißt, dass die liebende Unterstützung weitergeht, die sie diesem Kind gibt, ob das Kind sie nun in irgendeiner Weise enttäuscht hat oder nicht.

Bedingte Liebe wird daher als ein Hebel gesehen, den anderen zum Kooperieren zu zwingen, und bedingungslose Liebe erlaubt der Sache, fair behandelt zu werden, als die einzige Sache, und nicht umwölkt von anderen Sachen. Zum Beispiel, im oberen Beispiel, kann die Mutter sich laut beschweren über den Mangel an Begleitung, und die Sache kann offen behandelt werden. In bedingter Liebe mag die Begleitungs-Sache behandelt werden, offen oder nicht, aber in jedem Falle haben sich solche anderen Sachen erhoben, wie Versagen zu füttern und zu kleiden oder Nachrichten weiterleiten oder was immer die Mutter früher für das Kind tat. Dies verhindert in der Tat, dass die Sache als eine einzige Sache behandelt wird, da sie nach dem Belieben der Mutter abgewogen wird. Die Sache wird von sekundären Sachen umwölkt. Die Mutter, durch die Anwendung von bedingter Liebe, ist in der Tat diktatorisch.

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Übersetzung von Guido